Wie im Mittelalter wirklich gesprochen wurde

Middle AgesWen man heute auf mittelalterlichen Märkten herumläuft, dann wird man oft von Schaustellern und Händlern in einer eigentümlich und altmodische klingenden Sprache begrüßt. Sie ist angelehnt an das Lutherdeutsch, aber haben die Menschen tatsächlich so im Mittelalter gesprochen? Wohl eher nicht.

Die ersten Aufzeichnungen von dem, was man zumindest die Vorgänger der deutschen Sprache nennen kann, ist eine Übersetzung der Bibel ins Gotische aus dem Jahr 360 nach Christus. Die Goten waren das größte Volk in der Mitte Europas gewesen und bestimmte lange Zeit die Sprache. Aber der Kontakt mit den Römern ging nicht spurlos vorüber, viele lateinische Worte wurden ins Gotisch übernommen. Gleichzeitig vermischte sich in weiten Teilen des heutigen Frankreich die Sprache der Franken mit lateinischen Elementen.

Unter Karl dem Großen wurde dieses Fränkische auch zur Hauptsprache im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Aus dem fränkischen und dem Alemanischen wie dem bayerischen entwickelte sich bald die hochdeutsche Sprache. Die Dialekte in den nördlichen Ländern, vor allem der Friesen, führten zur niederdeutschen Sprache. Da sich der Süden durchsetzte, reden wir heute noch vom Hochdeutsch.

Wir würden dieses Althochdeutsche heute nicht mehr verstehen, erst das Mittelhochdeutsche, unter anderem von Walter von der Vogelweide verwendet, ist für uns zumindest etwa verständlich, wie Sätze wie “Ich han lande vil gesehen” (Ich habe viele Länder gesehen) zeigen.

Das Mittelhochdeutsche breitete sich im 12. Jahrhundert aus und kann somit getrost als die vorherrschende Sprache im Mittelalter gesehen werden. Sie hat aber nichts mit dem zu tun, was heute auf Mittelaltermärkten gesprochen wird. Sprachforscher kritisieren sogar dieses erfundene “Mittelaltersprech” weil dadurch ein falscher Eindruck erweckt wird, wie die Menschen sich damals wirklich unterhalten haben.

Übrigens gab es damals auch noch keinen Duden, und damit auch keine wirklich einheitliche Schreibweise. Und Dialekte waren vor allem beim Volk die Sprache der Wahl, was auch oft zu Verständigkeitsschwierigkeiten führten, selbst wenn man nur 100 Kilometer entfernt wohnte.

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